Notar & Anwalt vs. Erbnis
Ein notarielles Testament ist rechtsverbindlich und in Deutschland kaum zu ersetzen. Trotzdem beantwortet es eine ganz andere Frage als die, um die es beim digitalen Nachlass geht: wer erbt, statt wo die Konten liegen und wie man an sie herankommt.
Von Erbnis RedaktionVeröffentlicht 1. September 2026Aktualisiert 1. September 20266 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Ein notarielles Testament ist rechtsverbindlich und ersetzt in der Regel den Erbschein gegenüber Banken.
- Notar und Anwalt regeln die rechtliche Seite des Nachlasses — nicht, welche digitalen Konten existieren oder wie man auf sie zugreift.
- Passwörter gehören niemals in ein Testament, weil es im Erbfall von mehreren Personen eingesehen werden kann.
- Die Kosten für ein notarielles Testament richten sich nach dem GNotKG und dem Wert des Nachlasses.
- Erbnis ersetzt kein Testament und keine notarielle Beurkundung — es dokumentiert die praktische, digitale Ebene.
Was Notar und Anwalt wirklich gut können
Ein notarielles Testament hat in Deutschland ein enormes Gewicht. Der Notar prüft deine Geschäftsfähigkeit, berät zu Pflichtteilsansprüchen und Formfehlern, und beurkundet deinen Willen so, dass er später kaum anfechtbar ist. Anders als ein privatschriftliches Testament nach § 2247 BGB, das du komplett handschriftlich selbst verfassen kannst, übernimmt der Notar bei der notariellen Variante die Formulierung und stellt sicher, dass nichts unklar bleibt.
Ein weiterer praktischer Vorteil: Ein notarielles Testament ersetzt gegenüber Banken und Grundbuchämtern meist den Erbschein, weil das eröffnete Testament zusammen mit dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll als Nachweis der Erbenstellung genügt. Bei einem eigenhändigen Testament verlangen viele Institute dagegen zusätzlich einen Erbschein, der Zeit und Geld kostet. Wer mit dem Partner gemeinsam vorsorgen will, kann zudem einen Erbvertrag abschließen, der bindender ist als ein einfaches Testament und sich schwerer einseitig ändern lässt.
Notar und Anwalt sorgen außerdem dafür, dass dein Testament im Zentralen Testamentsregister (ZTR) der Bundesnotarkammer registriert wird. Damit findet das zuständige Nachlassgericht dein Testament automatisch, sobald ein Sterbefall gemeldet wird — ein Testament in der Schublade zu Hause kann dagegen leicht übersehen werden.
| Notarielles Testament | Anwaltliche Beratung | Erbnis | |
|---|---|---|---|
| Rechtsverbindlich | Ja | je nach Leistung | Nein |
| Kosten | nach GNotKG, wertabhängig | Stundensatz oder Pauschale | planbare Abo-Kosten |
| Digitale Konten erfasst | Nein | Nein | Ja |
| Zugriffswege dokumentiertinkl. 2FA-Hinweise | Nein | Nein | Ja |
| Laufend aktualisierbar | nur mit neuer Beurkundung | nur mit neuer Beratung | Ja |
| Informiert Angehörige automatisch | Nein | Nein | Ja |
| Ersetzt ein Testament | ist eines | Nein | Nein |
Stand September 2026, Angaben nach bestem Wissen; Notar- und Anwaltskosten variieren je nach Fall.
Was Notar und Anwalt bewusst nicht tun
Weder ein Notar noch ein Anwalt führt eine Liste deiner Streaming-Abos, E-Mail-Konten, Cloud-Speicher oder Krypto-Wallets. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern liegt daran, dass es nicht ihre Aufgabe ist: Ihr Auftrag ist die rechtliche Absicherung deines Willens, nicht die praktische Inventur deines digitalen Lebens. Ein Testament sagt, wer erbt — nicht, wovon überhaupt geerbt wird, wenn es um Online-Konten geht.
Genauso wenig dokumentieren sie Zugriffswege. Wie ein Erbe an ein Konto mit Zwei-Faktor-Authentifizierung herankommt, welches Gerät für die Bestätigung nötig ist oder wo ein Wiederherstellungscode liegt — all das bleibt außen vor. Und ein Testament wird nach dem Tod eröffnet und ist damit im gewissen Rahmen für Erben, Gericht und teils Notar-Personal einsehbar. Deshalb gehören Passwörter niemals hinein: Was einmal in einem eröffneten Testament steht, lässt sich praktisch nicht mehr geheim halten.
Ergänzung statt Alternative
Notar und Erbnis konkurrieren nicht miteinander, weil sie unterschiedliche Ebenen desselben Problems lösen. Der Notar sorgt dafür, dass dein Wille rechtlich Bestand hat: wer erbt, wie Pflichtteile behandelt werden, was im Streitfall gilt. Erbnis sorgt dafür, dass deine Erben überhaupt wissen, was es gibt und wie sie darankommen — die praktische Landkarte zum rechtlichen Rahmen.
Wer beides kombiniert, ist am besten abgesichert: ein rechtsgültiges Testament beim Notar, das im Zentralen Testamentsregister hinterlegt ist, und eine laufend aktuelle, sichere Übersicht über digitale Konten und Zugriffswege bei Erbnis. Erbnis selbst erstellt dabei ausdrücklich kein Testament und ersetzt keine notarielle Beurkundung — dafür bleibt der Weg zum Notar oder Anwalt weiterhin der richtige.