Grundlagen

Was ist ein digitaler Nachlass?

Der digitale Nachlass ist alles, was von einem Menschen online und auf seinen Geräten zurückbleibt — Konten, Daten, Verträge und Rechte. Wer ihn vorbereitet, nimmt seinen Angehörigen im schwersten Moment die Suche ab.

Definition in einem Satz

Zum digitalen Nachlass gehören alle Daten, Zugänge, Verträge und Vermögenswerte, die eine Person in digitaler Form hinterlässt: vom E-Mail-Postfach über das Online-Banking bis zur Fotobibliothek in der Cloud. Rechtlich ist er kein Sonderfall — er geht gemeinsam mit dem übrigen Vermögen auf die Erben über.

Was gehört konkret dazu?

  • Kommunikation: E-Mail-Postfächer, Messenger, Mailinglisten
  • Social Media: Facebook, Instagram, LinkedIn, X, TikTok, YouTube
  • Finanzen: Online-Banking, Depots, PayPal, Krypto-Wallets und Seed Phrases
  • Verträge & Abos: Streaming, Cloud-Speicher, Software, Domains, Hosting
  • Daten: Fotos, Videos, Dokumente, Notizen, Backups
  • Geräte: Smartphone, Laptop, Tablet, externe Festplatten samt Entsperrcodes
  • Digitale Werte: Guthaben, Bonusprogramme, Lizenzen, Online-Shops

Wer erbt Online-Konten? Die Rechtslage in Deutschland

Erben treten in die Verträge der verstorbenen Person ein — auch in die mit Plattformbetreibern. Der Bundesgerichtshof hat das 2018 bestätigt (Urteil III ZR 183/17): Erben dürfen auf ein Social-Media-Konto zugreifen wie auf Briefe und Tagebücher. Das Fernmeldegeheimnis steht dem nicht entgegen.

In der Praxis ist das Problem selten juristisch, sondern organisatorisch: Angehörige wissen nicht, welche Konten existieren, und haben keine Zugangsdaten. Plattformen verlangen dann Erbschein, Sterbeurkunde und wochenlange Bearbeitung — pro Konto.

Was passiert ohne Vorbereitung?

  • Abos laufen weiter und werden monatelang abgebucht
  • Konten bleiben online, Geburtstagserinnerungen kommen weiter an
  • Krypto-Guthaben ist ohne Seed Phrase endgültig verloren
  • Fotos und Dokumente verschwinden mit dem Gerätepasswort
  • Angehörige telefonieren wochenlang Support-Hotlines ab

Digitalen Nachlass vorbereiten: fünf Schritte

  • 1. Inventar erstellen — welche Konten, Geräte und Verträge existieren?
  • 2. Zugänge sichern — Passwort-Manager mit Master-Passwort und Recovery-Keys
  • 3. Vertrauenspersonen bestimmen — wer bekommt welchen Bereich?
  • 4. Wünsche festhalten — löschen, in Gedenkzustand versetzen oder weiterführen
  • 5. Aktuell halten — einmal im Jahr prüfen, Neues ergänzen

Zusätzlich lohnt es sich, bei den großen Anbietern die eingebauten Werkzeuge zu nutzen: den Google Kontoinaktivität-Manager, den Apple-Nachlasskontakt und den Facebook-Nachlasskontakt.

Digitaler Nachlass und Testament

Ein Testament regelt, wer erbt — es ist aber kein Ort für Passwörter. Ein eigenhändiges Testament muss nach § 2247 BGB vollständig handschriftlich verfasst und unterschrieben sein (oder notariell errichtet werden), und es wird nach dem Tod öffentlich einsehbar. Zugangsdaten gehören daher an einen sicheren, separaten Ort, auf den das Testament lediglich verweist.

Mit Erbnis an einem sicheren Ort

Erbnis bewahrt Passwörter, Konten, Dokumente und Wünsche verschlüsselt auf und gibt jeden Eintrag zur richtigen Zeit an die richtigen Menschen frei.